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Umdenken oder Beruhigungspille?

Umdenken oder Beruhigungspille?

Realistisch betrachtet wird in Deutschland für den Neubau des Brenner Nordzulaufs (BNZ) in absehbarer Zeit kein Geld zur Verfügung stehen. Eine Summe von 16 Mrd. Euro ist kein Pappenstiel. Allerdings ist stark zu erwarten, dass diese Summe bis zu Beginn der Realisierung trotz Inflations- und Risikozuschlägen bereits aufgezehrt ist und sich im Laufe von eventuellen Bauarbeiten deutlich erhöhen würde, was eine seriöse Finanzierung schon heute noch mehr in Frage stellt. Bahnprojekte sind in der Vergangenheit meistens um das 2 bis 3-fache teurer geworden.

Diese Erkenntnis setzt sich allmählich auch in den Köpfen von einigen Bundespolitikerinnen und -politikern durch.

Wir freuen uns über die neue Offenheit, die sich in Gesprächen mit Landrat Otto Lederer, OB Abuzar Erdogan und PStS Daniela Ludwig MdB zeigt. Es scheint Bewegung ins Denken zu kommen – die Vorzugstrasse der Bahn wird nicht mehr als die ausschließliche, zukunftsweisende Variante gesehen. Besonders bemerkenswert ist, dass es zu einer Neubewertung der Zahlenwerke kommen soll. Der PStS im Verkehrsministerium Ulrich Lange bestätigte dies in der Sendung „Jetzt red i“ am 23. September 2026 und im Interview mit dem BR (24.9.2026).

Die Neuberechnung des Nutzen-Kosten-Verhältnissen in Berücksichtigung der aktuellen Kosten war und ist einer unserer wesentlichen Forderungen.

Wir sind mehr denn je der Überzeugung, dass die Bestandsstrecken dem kommenden Verkehrsaufkommen genügen werden.  Ausdrücklich begrüßen wir die Aussage, dass zunächst der Bestand und die ABS 38 ertüchtigt bzw. fertiggestellt werden sollen, bevor es zu einer Entscheidung für den Neubau kommt. Daran müssen sich Daniela Ludwig und Ulrich Lange messen lassen.

Wir freuen uns, dass Ulrich Lange erkannt hat, dass für die sinnvolle Gestaltung/Planung des Alpentransit die Betrachtung des gesamten süddeutschen Raumes unter Berücksichtigung der Ost- und Westmagistrale zwingend notwendig ist. Außerdem habe die Ertüchtigung der Bestandsstrecken und besonders die ABS 38 München-Mühldorf-Freilassing/Salzburg (Entlastung der Strecke München-Rosenheim vom Ost-West-Verkehr) absolute Priorität.

Zur Erläuterung:

Der gesamte Alpenraum verfügt bis Mitte der 2030er-Jahre über sechs funktionierende Eisenbahn-Alpenquerungen. Wesentliche Entlastungen für den Brennerübergang bringen im Osten der Semmering-Basistunnel (im Bau) und der Koralmtunnel in Österreich. Beide bedienen dann den Verkehr aus Richtung Polen nach Triest und Koper.
Der Tauerntunnel wird ebenfalls im kommenden Jahr für die Zukunft fit gemacht.

Im Westen bietet der Gotthardbasistunnel bereits jetzt Kapazitäten für den Güterverkehr, ist aber nur zu 50 % ausgelastet. Der Lötschberg-Basistunnel wird in den nächsten Jahren mit einer zweiten Röhre vollständig fertiggestellt und wird die Kapazität für die Alpenquerung Richtung Italien(Mailand/Genua) in der Schweiz weiter erhöhen.

Damit stehen genügend Kapazitäten auf der Schiene für den Alpentransit zur Verfügung, die die Brennertrasse entlasten.

Es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Sollen die Lkw tatsächlich den Weg auf die Schiene schaffen, muss die Politik entsprechende Impulse setzen, um für die Frachtunternehmen die Schiene attraktiver als die Straße zu machen.

Alles in Allem sind wir froh, dass es in der politischen Debatte um den BNZ zu einer neuen Dialogbereitschaft kommt. Schließlich ist unser Name Programm.

Das bedeutet nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen dürfen – im Gegenteil!

Schließlich gibt es bislang keine Entscheidung, nur Aussagen.

Jetzt heißt es „dran bleiben“! Die Ziellinie ist fast erreicht, nun kommt der Endspurt.

Wir sind weiterhin in regem Kontakt zur deutschen und Österreichischen Politikerinnen und Politikern auf lokaler, Landes- und Bundesebene.

Wie geht es weiter? Der Zeitplan…

  • 7. Oktober Verkehrsgipfel Deutschland-Österreich zum BNZ
  • 16. Oktober Tagung „Alpentransit“. Alpenkonvention CIPRA in Bozen (wir sind dort)
  • 26. Oktober Treffen der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden mit PStS Ulrich Lange im Landratsamt
  • 28. Oktober Bahngipfel mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden und Vertretern der Bahn im Landratsamt
  • 7. November voraussichtlich Thema im Verkehrsausschuss
  • Evtl. Frühjahr 2027 Anhörung im Verkehrsausschuss (wir werden dort sein)
  • Evtl. Ostern/Frühsommer Entscheidung im Parlament

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