Bahnexperten aus Deutschland mahnen zur schnellen Eröffnung des Brenner-Basistunnels (BBT). Was sich in Südtirol und nun in Tirol an Verzögerungen abspielt, ist absolut nicht hinnehmbar. Wenn nun auch noch der entscheidende Abschnitt in Tirol auf die lange Bank geschoben wird, führt das gesamte Konzept BBT aufs Abstellgleis.
In Bayern hoffen die Experten auf ein Einsehen auf österreichischer Seite, damit die Ertüchtigung der Bestandsstrecke auf deutscher Seite nicht umsonst war. Bereits heute könnte die Strecke den Bahnverkehr aus dem Tunnel locker stemmen – wenn er denn endlich käme.
Südtirol und Österreich übertrumpfen sich in Kritik an dem angeblich mangelhaften Engagement Deutschlands beim Ausbau der Trasse. In Bayern sitzen die Blockierer, sagen sie. Es ist allzu offensichtlich, dass sie damit von ihren eigenen Unzulänglichkeiten ablenken wollen. Wann sollte der Basistunnel fertig sein? 2016? Richtig! Oder doch 2020, oder 2028, oder 2032? Oder doch 2034, wie aktuell angekündigt?
Aktuell versuchen die Basistunnelbetreiber zu klären, wie denn die Züge auf italienischer Seite überhaupt funktionieren sollen. In Italien wird die Bahn mit einer anderen Stromspannung versorgt als in Österreich. Welches System soll nun im Tunnel installiert werden? Das führt zu erheblichen Verzögerungen beim Weiterbau.
In Italien müssen 2 Lokführer im Führerhaus sitzen, und sie müssen perfekt die Landessprache sprechen. Letzteres gilt auch für Österreich und Deutschland. Wo, wie und wann werden die ausgetauscht?
Interessante Rechenaufgabe: Wie schnell müssen die Züge in Zukunft fahren, um die beim Bau verlorenen Jahre aufzuholen? Wahrscheinlich nahe der Lichtgeschwindigkeit.
Es stellt sich außerdem die Frage, wie viele Züge es von Süden her tatsächlich bis zum Tunnel schaffen. Es ist müßig darüber nachzudenken. Das hat der Europäische Rechnungshof bereits getan. Die Realisierungswahrscheinlichkeit des Brenner-Südzulaufs in Italien ist demnach als niedrig einzustufen. Viele Streckenteile sind angedacht, von der konkreten Planung aber noch meilenweit entfernt.
In einem Arbeitszeugnis würde stehen: Italien bemüht sich den Anforderungen gerecht zu werden. Mit anderen Worten „Ciao bello“.
Unsere Bahnexperten fragen sich, warum die Wirtschaftsbetriebe jammern, dass auf deutscher Seite nichts vorwärtsgeht. Wissen die Unternehmer nicht, dass bereits heute genügend Kapazitäten auf der Bahn zur Verfügung stehen? Oder stehen da andere wirtschaftliche Interessen im Hintergrund? Könnte es sein, dass ein 15 Milliarden-Neubau-Projekt Begehrlichkeiten weckt?
Wie dem auch sei, Bayern ist bestens gewappnet für den Verkehr aus dem Tunnel. Öffnet den Brenner-Basistunnel! Am liebsten sofort!
Bayern hat die Lösung für den kommenden Verkehr – das Alternativkonzept;
schneller, billiger, nachhaltiger.
Autor: Lothar Thaler